Anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz nahm der LK Politik von Frau Dr. Frings an einem Gespräch mit Tova Friedman und ihrem Enkelsohn Aaron Goodman teil, das vom Haus der Geschichte im Tränenpalast veranstaltet wurde.

Tova Friedman berichtete nach der Begrüßung durch den Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer in englischer Sprache darüber, wie sie als 6-Jährige ein halbes Jahr lang in Auschwitz um ihr Überleben kämpfte, bis sie schließlich von der russischen Armee befreit wurde. Ihr Bild, auf dem sie die in ihren Unterarm tätowierte Nummer in die Kamera der Befreier hält, bewegte seitdem Millionen.

Gemeinsam mit ihrem Enkelsohn betreibt sie nun seit einigen Jahren einen immens erfolgreichen TikTok-Kanal, auf dem sie ihre Geschichte erzählt und auch auf alle Fragen eingeht, die vor allem junge Menschen dort an sie richten. Ihre Mission ist es dabei, Jugendliche zu ihren Botschaftern zu machen, die ihre Geschichte überall dort verbreiten, wo sie leben und somit die Schrecken des Holocaust, gerade angesichts global wieder zunehmendem Antisemitismus, im öffentlichen Bewusstsein zu halten.

Immer wieder richtete sie ihre Worte an dem Abend darum auch gezielt an die anwesenden Schüler*innen, neben der KSSM war auch das Primo-Levi-Gymnasium vertreten, und ermutigte sie, zu Hass und Hetze, Lüge und Verdrehung nicht zu schweigen, sondern in ihrem Umfeld die Würde und den Respekt gegenüber allen Menschen stets zu verteidigen und selbst zu wahren. Auf ihre Fragen ging sie stets mit großer Dankbarkeit und Freundlichkeit ein.

Besonders erschütternd an ihren Worten waren für uns die vielen grausamen Details des Lagerlebens, die ihr nach all den Jahren noch lebendig vor Augen standen. Der allgegenwärtige Tod, die eisige Kälte, der quälende Hunger („In Auschwitz war Gott ein Stück Brot“), die tägliche Angst, die deutsche Aussprache der langen Nummer auf dem eigenen Arm zu vergessen und so beim Appell eine Strafe zu riskieren, das Gefühl nicht von Tag zu Tag, sondern von Stunde zu Stunde das eigene Überleben sichern zu müssen, und dies die meiste Zeit ohne ihre Mutter an der Seite.

Dass sie überlebte, und nicht gleich nach der Ankunft vergast wurde, verdankt sie – wie sie erst sehr viel später herausfand – dem Umstand, dass ihre Ankunft in Auschwitz auf einen Sonntag fiel und die Lagermitarbeiter tatsächlich „Christen“ waren, die an diesem Tag die Todesmaschinerie zu Teilen ruhen ließen, um den Gottesdienst zu besuchen. Eine Feststellung, die uns alle sehr betroffen gemacht hat in ihrer abgrundtiefen Perversion.

Dennoch hatte man im Gespräch mit Tova Friedman nie das Gefühl, einem Opfer gegenüberzusitzen, sondern einer Siegerin, einer Überlebenden, die diesen Triumph und ihre Lebensgeschichte stolz und ungebrochen vermittelt.